Lebensgeschichte

Familie

Ludwig van Beethoven war der Sohn einer Musikerfamilie, deren Vorfahren (Bauern und Handwerker) aus Mecheln im flämischen Brabant kamen. Das "van" im Namen zeugt nicht von adliger Herkunft, sondern zeigt die örtliche Herkunft an (also "von den Rübenhöfen"). Beethovens Großvater, der gleichfalls Ludwig van Beethoven hieß, war als Musiker beim Erzbischof (Kurfürst) von Köln angestellt und für das Orchester verantwortlich. 1740 wurde sein Sohn Johann geboren, der später Sänger wurde. Am 16. Dezember 1770 kam in der Bonngasse 18 ein Sohn zur Welt, der am 17. Dezember getauft und nach seinem Großvater Ludwig benannt wurde.

Ludwig van Beethovens Vater wurde von dem jungen Wolfgang Amadeus Mozart beeindruckt, der schon mit 6 Jahren als Komponist auftrat. Mit dem Ziel aus Ludwig ebenfalls ein solches Wunderkind zu machen, begann der Vater ihn im Violin- und Klavierspiel zu unterrichten. Die sehr strenge Haltung des Vaters behinderte jedoch die Entwicklung des Jungen, der manchmal mitten in der Nacht aus dem Bett geholt wurde, um Klavier zu üben. Das hatte zur Folge, dass Beethoven in der Schule oft müde war und an Konzentrationsmangel litt.

Auch sonst war sein Leben nicht leicht. Sein Vater war Alkoholiker, seine Mutter war sehr oft krank und von seinen sechs Geschwistern überlebten nur zwei.

Bald diente Ludwig van Beethoven als zweiter Hoforganist der Landesherren, bei dem er schon ein regelmäßiges Gehalt bezog. Mit 13 Jahren spielte er Cembalo und Bratsche im kurfürstlichen Orchester und komponierte verschiedene Kammermusik.

Studium

Um seine Ausbildung zu vervollkommnen, reiste Ludwig van Beethoven 1787 nach Wien um bei Wolfgang Amadeus Mozart zu studieren. Weitere Komponisten wie Joseph Haydn machten damals die Hauptstadt des Erzherzogtums Österreich zum musikalischen Zentrum Europas.

Aus dem Studium bei Mozart wurde allerdings nichts. Zum einen war Mozart offenbar durch die Arbeit an eigenen Kompositionen und wegen anderer Sorgen sehr in Anspruch genommen und infolgedessen nicht interessiert. Zum anderen musste Beethoven bereits nach zwei Wochen die Heimreise antreten, weil seine Mutter schwer krank geworden war.

Kurz nach Beethovens Rückkehr nach Bonn starb seine Mutter. Im Jahr 1789 begann Beethoven ein Studium an der Universität Bonn; schnell geriet er dort, insbesondere durch Eulogius Schneider, in Kontakt mit den Ideen der Französischen Revolution. Seine Begeisterung für die revolutionären Ideale spiegelte sich auch in seinen späteren Werken wieder, welche von Freiheit und Menschlichkeit handeln, besonders in seiner einzigen Oper Fidelio.

Mit 22 Jahren unternahm Ludwig van Beethoven eine zweite Studienreise nach Wien, von der er nicht wieder nach Bonn zurückkehrte. Mozart war bereits gestorben, aber Joseph Haydn und Antonio Salieri nahmen Beethoven als Kompositionsschüler an.

Karriere als Pianist

Beethoven erlangte bald Berühmtheit mit seiner Kammermusik, die als vollkommen neuartig bezeichnet wurde. Er wurde darüber hinaus auch als Klaviervirtuose und Meister der Improvisation bekannt. So stellte er einmal vor einem Konzert fest, dass der Flügel einen Halbton zu tief gestimmt war. Da die Zeit nicht mehr ausreichte, um das Instrument neu zu stimmen, spielte er sein C-Dur Konzert (Erstes Klavierkonzert op. 15) kurzerhand in Cis-Dur.

Im Alter von 29 Jahren nahm Beethoven seine 1. Sinfonie in Angriff, die er am Anfang des darauffolgenden Jahres vollendete. Sie wurde mit großem Erfolg am 2. April 1799 uraufgeführt.

Otosklerose

Mit etwa 30 Jahren machten sich bei Beethoven erste Anzeichen einer Otosklerose bemerkbar, die sich unaufhaltsam verschlimmerte. Um sein dadurch schlechter werdendes Hörvermögen auszugleichen, ließ er daher sein Klavier mit bis zu 4 Saiten bespannen. Bis zum Jahre 1819 sollte Beethoven völlig ertaubt sein, so dass er selbst keine Konzerte mehr geben und auch nicht mehr dirigieren konnte.

Auf einem Kuraufenthalt 1802, der ihn wieder optimistischer gemacht hatte, schrieb er an einen Freund die Zeilen „Ich will dem Schicksal in den Rachen greifen, ganz niederbeugen soll es mich gewiss nicht“ und komponierte die 2. Sinfonie, deren Erfolg aber nur mäßig war. Als seine Schwerhörigkeit, verbunden mit quälenden Ohrgeräuschen, aber wieder schlimmer wurde, schrieb er verzweifelt sein „Heiligenstädter Testament“

Eroica und Fidelio

Mit der 3. Sinfonie fand Beethoven dann endgültig zu seiner Form der großen Symphonie. Ursprünglich trug sie den Titel „Sinfonia grande, intitolata Bonaparte“ (benannt nach Napoleon). Nachdem er jedoch erfuhr, dass Napoleon sich am 18. Mai 1804 die Kaiserkrone aufgesetzt hatte, radierte er in großer Wut den Namen aus dem Titelblatt. Seine neue Überschrift hieß „Heroische Sinfonie, komponiert um das Andenken eines großen Mannes zu feiern“, heute wird sie meistens mit ihrem italienischen Titel Eroica genannt. Uraufgeführt wurde sie im August 1804 im Wiener Palais des Fürsten Lobkowicz, dem sie nun auch gewidmet war.

1805 wurde Beethovens einzige Oper, Fidelio, uraufgeführt. Sie hatte, wie auch viele andere Werke, etliche Überarbeitungen erlebt und hieß ursprünglich "Leonore".

Im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde Beethoven, er lebte nun im neuen Kaiserreich Österreich, zu einem der berühmtesten Musiker Europas (zu seinem großen Bekümmernis war Gioacchino Rossini mit seinen Opern populärer). Seine vom revolutionären Geiste erfüllten Sinfonien gehörten bald zum dauerhaften Bestand der verbreiteten Orchesterkonzerte.

Sinfonien Nr. 5 c-moll, Nr. 6 F-Dur und Nr. 7 A-Dur

Seine 5. Sinfonie wurde in der Vergangenheit auch „Schicksalssinfonie“ genannt, sie entstand in einer schweren Lebensphase des Komponisten (über die vier berühmten Anfangstöne soll Beethoven gesagt haben: "So pocht das Schicksal an die Pforte", allerdings wurde dies inzwischen als spätere legendarische Zuschreibung belegt). Am 22. Dezember 1808 wurde sie zusammen mit der 6. Sinfonie (Pastorale), dem vierten Klavierkonzert und Teilen der C-Dur Messe uraufgeführt. Die Pastorale ist nicht im eigentlichen Sinne Programmusik, wie sie fälschlich oft bezeichnet wird, sondern nach Beethovens eigener Aussage "Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei". Damit befindet sich die Sinfonie immer noch auf dem Boden der Klassik und ist nicht Vorbereiter oder Wegweiser zu den Sinfonischen Dichtungen der Romantik. Franz Liszt, der die ersten Sinfonischen Dichtungen schrieb, bezog sich bei der Entwicklung dieses neuen Genres vielmehr auf die Ouvertüren Beethovens, wie etwa Coriolan oder König Stephan.

Hierbei sollte allerdings entgegengehalten werden, dass die naturbezogene Thematik der Pastorale ein Grundelement der folgenden Epoche der Romantik darstellt, der Epoche sinfonischer Dichtungen schlechthin. Ebenso legt die Kunst der Romantik den Akzent auf das Innerste des Menschen, also sein Empfinden und seine Gesinnung. Unter dem Gesichtspunkt, den wahrscheinlich auch Beethoven auf seine Pastorale angesetzt hatte, könnte diese sehr wohl als Romantikvorläufer aufgefasst werden. Dafür spricht ebenso die Erweiterung der Form auf fünf Sätze und den Einbezug von Instrumenten (z.B. Piccoloflöte), die im klassischen Sinfonieorchester nicht heimisch sind.

Noch deutlicher jedoch leitet die 9. Sinfonie Beethovens die Romantik ein.

Am 8. Dezember 1813 wurde die 7. Sinfonie mit überwältigendem Erfolg uraufgeführt. Sie wurde 30 Jahre später von Richard Wagner als „Apotheose des Tanzes“ gelobt.

Während des Wiener Kongresses erkannte Beethoven, dass diese Zusammenkunft der Herrscher Europas nur zu weiteren Unterdrückungen führen sollte. Er schätzte die humanistischen und geistigen Werte eines Menschen. In seiner Jugend war er von Schiller begeistert, im späteren Leben wandte er sich Goethe zu, mit dem er auch einen Schriftwechsel führte. So vertonte er auch mehrere Werke Goethes, beispielsweise sei hier genannt die Schauspielmusik zu Egmont.

9. Sinfonie und die völlige Taubheit

Als 1815 einer seiner Brüder starb, nahm er dessen Sohn Karl zu sich. Bald stellte sich heraus, dass die Beziehung Beethovens zu seinem Neffen unter keinem guten Stern stand. Beethoven setzte den jungen Mann mit seinen hohen und mitunter überzogenen moralischen Ansprüchen derart unter Druck, dass Karl einen Suizidversuch unternahm. Dieser scheiterte zwar, war für den Komponisten aber dennoch eine riesige Belastung, denn der Versuch der Selbsttötung war zu jener Zeit ein strafbares Delikt.

Trotz (oder vielleicht gerade wegen) dieser immensen privaten Schwierigkeiten komponierte Beethoven in dieser Zeit eines seiner wichtigsten Werke, die Missa Solemnis (1822), die in ihrer Größe und Schönheit nichts von dem desolaten Umfeld erahnen lässt, in dem sie entstand.

Ein Jahr später vollendete er die 9. Sinfonie. Der letzte Satz mit dem Chorfinale zu Schillers Ode "An die Freude", in dem Beethoven eine Volksweise verarbeitete, hat dieses Werk sehr populär gemacht. Die ersten drei Sätze mit ihrer grandiosen Architektur, Instrumentierung und Themenverarbeitung wurden richtungsweisend für die Symphoniker der Romantik bis hin zu Gustav Mahler. Die Uraufführung der 9. Sinfonie erfolgte zusammen mit Teilen der Missa Solemnis am 7. Mai 1824. Beethoven wollte, da er die Aufführung nicht mehr selbst leiten konnte, den Dirigenten durch Angabe der Tempi unterstützen. Das Orchester war allerdings angewiesen worden, dies nicht zu beachten.

Beethoven starb 1827 in Wien an einer chronischen Bleivergiftung, die vermutlich durch mit Bleizucker verpanschten Wein verursacht wurde. Dies ist aber nicht mehr festzustellen, da in der damaligen Zeit Blei häufig Anwendung in den verschiedensten Bereichen fand. Etwa zwanzigtausend Menschen nahmen an seinem Begräbnis teil. Sogar das Militär musste zur Aufrechterhaltung der Ordnung eingesetzt werden.

Symphonie Nr. 10 (Rekonstruktion)

Beethoven hat noch vor seinem Tod an seiner 10. Symphonie gearbeitet, diese aber nie vollendet. Es gibt viele Skizzen und Notizen von Beethoven über den ersten Satz dieser Symphonie. Barry Cooper hat diese Skizzen zu einer Rekonstruktion des ersten Satzes ausgearbeitet.